Neuauflage für Luther-Stück

TZ/C. Wendt: Die Mitglieder der Theatergruppe des Johann-Walter-Gymnasiums brauchen schon einen dicken Terminkalender, um im Wust der Proben sowie der Vorbereitungen auf die anstehenden Prüfungen den Überblick zu behalten.
Ab Montag beginnt für die Zehner die heiße Phase – einerseits, was die besonderen Lernfeststellungen betrifft, und andererseits das Theaterstück „Luther in mir“ betreffend. Mit Letzterem sorgten die Johann-Walter-Schützlinge bereits im vergangenen Jahr für Aufsehen, als sie in der Torgauer Schlosskapelle und im Kulturhaus an die Reformationsgeschichte erinnerten.

Nun unternimmt man im Windschatten des diesjährigen Joe-Polowsky-Gedächtnislaufs also noch mal einen Anlauf, und das zu einer Zeit, in der den Jungen und Mädchen schulisch alles abverlangt wird. „Kein Problem“, hält Tim Schröder entgegen. Bei Dornröschen noch der Glückspilz, der vom Tellerwäscher in die Prinzenrolle schlüpfte, mimt der Großtrebener nun gleich zwei Rollen: Tim spielt einen Künstler sowie den Hans von Berlepsch, der es einst als Ritter und Burghauptmann der Wartburg mit dem Reformator zu tun bekam. Am Dienstag traf sich Tim mit weiteren Mitgliedern der Pantomime-Gruppe das erste Mal, um für den großen Auftritt am 29. Juni in der Alltagskirche zu proben. Unter der Leitung von Michael Knape wurde gemeinsam an der Choreografie gefeilt.
Wie Tim gehörten beispielsweise auch Wiebke Theilemann aus Dautzschen als zweite Fee (jetzt eine Bäuerin) und der Falkenberger Florian Bruschke zur Besetzung des modernen Dornröschen-Märchens. Kurios: Florian wechselt nun aber von der Luther-Rolle, die er noch bei Dornröschen einnahm, in die eines Bauern beziehungsweise Musikers. Aus der 2013er Stammbesetzung von „Luther in mir“ sind derweil nicht mehr all zu viele übrig. Eine von ihnen ist Lisa-Marie Lieske. Die junge Torgauerin bescheinigt ihren neuen Mitstreitern großes Engagement. „Ich bin mir sicher, dass wir das alles in der Kürze der Zeit hinbekommen.“

Das neuerliche „Luther-in-mir-Stück“ wird zu einer Benefiz-Veranstaltung für das Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig. „Als unsere Schüler vorschlugen, einen Teil des Erlöses des Joe-Polowsky-Gedächtnislaufs für das Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig zu spenden, waren wir
davon so angetan, dass wir uns als Theatergruppe sofort entschlossen, jenes Anliegen tatkräftig mit einer Benefiz-Veranstaltung zu unterstützen“, sagte Dr. Gabriele Hönicke, die Leiterin der Theater-Gruppe. Zahlreiche Zuschauer hatten die beiden Theateraufführungen 2013 verfolgt. Dabei gelang es den Jugendlichen, durch das Ineinandergreifen, Verknüpfen und Vernetzen der künstlerischen Ensembles Schauspiel, Solisten, Chor, Orchester und Band der Inszenierung Kraft und Ausdrucksstärke zu verleihen. All dies liegt nunmehr knapp ein Jahr zurück. In dieser Zeit haben Schüler der Klassenstufe zwölf aus den Aufnahmen der Theatervorstellungen, Interviews mit den Protagonisten und Statements verschiedenster Unterstützer die Homepage „www.luther-in-mir.de“ erstellt.

Der neue und alte Martinus Luther, alias Tariq Ali, absolviert gegenwärtig seine Abiturprüfungen. Trotzdem schlüpft er nochmals in die Rolle des Reformators. Die ehemaligen Studenten der Reformation sind zu realistischen Studenten des 21. Jahrhunderts avanciert. Ihre Rollen sowie die der Bauern haben andere Schüler übernommen. Die einstigen Kinder Luthers sind nicht wirklich mehr Kinder, auch hier agieren jüngere Schauspieler. Sowohl in der Pantomime-Sequenz als auch in der Hip-Hop-Gruppe sind die  Nachfolger mit Leidenschaft und hohem Engagement am Werk.
Das Musik-Theater-Projekt „LUTHER in MIR“ ist eine Gemeinschaftsproduktion  des Johann-Walter-Gymnasiums, der Kreismusikschule „Heinrich Schütz“, der „Lebenshilfe“ Torgau, des „Evangelischen Jugendbildungsprojekts wintergrüne“ sowie des SAEK Torgau. Zwei Schülerinnen der Klasse 12, Sophie Jahn und Anna-Lorena Hollenhorst, erstellten dessen Sujet, schrieben das Drehbuch und erarbeiteten die aufwändige Inszenierung, an der 96 Akteure mitwirken.